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Verwaltungsgemeinschaft Kirchweidach  |  E-Mail: info@vg-kirchweidach.de  |  Online: http://www.vg-kirchweidach.de

Ortsgeschichte von Kirchweidach

von Helmut Hintermeier

Urkundlich genannt ist unser Ort erstmals im Indiculus Arnonis, einem Güterverzeichnis, das Bischof Arn von Salzburg um 788 erstellen ließ.

 

Damals übergab ein gewisser Ragenbertus die Kirche und 6 Höfe „ad Uuidaha“ ( sprich „Widaha“) an den Bischof von Salzburg.

 

Die alte Schreibform „Uuidaha“ ist als Ort bei den Weiden zu deuten. Der Zusatz „Kirch“- (Chirch-) im später gebräuchlichen Ortsnamen „Weidach“ wurde wohl erst im 14. Jahrhundert in den Ortsnamen aufgenommen. In einer Urkunde aus dem Jahre 1340 erscheint jedenfalls zum ersten Mal der Ortsname „Chirchweidach“. Damals erlaubte Herzogin Margaret von (Nieder-)Bayern den „leut von Chirchweidach“ die Nutzung des „Wismat an dem Hard“, also das Mähen der Wiese am Hartwald.

 

Trotz seiner frühen Verbindung zu Salzburg gehörte Kirchweidach stets zum Herzogtum Bayern, und zwar zur Herrschaft Wald. Diese Herrschaft wurde bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts als bayerisches Herrschaftsgericht verwaltet und dann aufgelöst und dem Landgericht Burghausen einverleibt.

 

Das Gebiet von Kirchweidach ist uraltes Bauernland. Im Zuge der Besiedelung bildete sich die für unsere Gegend typische Streusiedlungsweise heraus. Im Siedlungsbild herrschten Weiler und Einöden vor und daran hat sich bis heute wenig geändert.

 

Als ursprünglich und typisch für unsere Gegend kann der Vierseithof angesehen werden. Die wichtigsten Gebäude - Wohnhaus mit angrenzendem Pferdestall, Kuhstall mit Heuboden, Scheune und Wagenhütte - bildeten ein ( geschlossenes ) Viereck .

 

Durch die Modernisierung und Technisierung in der Landwirtschaft sind allerdings im Gemeindegebiet nur noch wenige Höfe in der ursprünglichen Bauart erhalten. 

 

1840 betrug die Einwohnerzahl Kirchweidachs 412, bei der Volkszählung 1895 auch erst 564. Im Ortsbereich standen um 1854 neben der Kirche lediglich 12 Häuser, meist landwirtschaftliche Anwesen.

 

Im Erwerbsleben war nach wie vor die Landwirtschaft die wichtigste Einnahmequelle . Es standen aber nach einem Bericht des Bürgermeisters Mayr von 1884 doch schon „18 Gewerbe im Betriebe“, von denen 11 auch außerhalb der Gemeinde ihr „Geschäft oder Handel“ betrieben, darunter 1 Wirt,1 Metzger, 1 Brandmetzger,1 Bäcker, 1 Schmied, 1 Schlosser, 1 Wagner, 2 Krämer, 1 Hausierkrämer, 2 Schreiner, 1 Karrer, 1 Schneider, 1 Schuhmacher, 2 Weber, 1 Korbflechter, 1 Brunnenmacher.

 

Eine eigene Schule erhielt Kirchweidach im Vergleich zu den Nachbargemeinden verhältnismäßig spät. Noch Jahrzehnte später, nachdem in Bayern 1802 die 6-jährige Schulpflicht eingeführt worden war, besuchten die Kirchweidacher Schüler die Nachbarschulen in Feichten, Halsbach bzw. Tyrlaching.

 

Erst nach dem Bau des 1. Schulhauses im Jahre 1884 konnte am 20. Januar 1885 die Schule Kirchweidach eröffnet werden. Erster Lehrer an der Schule war Alois Lichtenstern, die Schülerzahl betrug 70. 

 

Für die Aufwärtsentwicklung unseres Ortes um die Jahrhundertwende und in den ersten Jahr- zehnten danach war vor allem auch das Wirken des Pfarrers Ludwig Mittermaier bedeutsam. Noch als Kooperator von Feichten hatte er 1891 die Errichtung einer Expositur in Kirchweidach bewirkt. Auf sein Betreiben wurde im Jahre 1895 eine Postagentur geschaffen Das „Königliche Ober-Post-Amt für Oberbayern“ stimmte der Errichtung einer Postexpedition mit der Auflage zu , dass die „Führung der Expedition der Gastwirtin Regina Huber übertragen wird“.

 

1896 wurde die Kirchenfiliale Kirchweidach von der Mutterpfarrei Feichten abgetrennt und zur selbstständigen Pfarrei erhoben. Die Installation von Ludwig Mittermaier als 1.Ortspfarrer in Kirchweidach erfolgte am 11. Oktober 1896 . Die jahrhundertelange Abhängigkeit von der Mutterpfarrei Feichten war damit endgültig zu Ende.

 

Eine bedeutende Erweiterung der politischen Gemeinde Kirchweidach erfolgte 1901/02. In diesen Jahren wurden 16 Anwesensbesitzer aus der Gemeinde Oberzeitlarn auf ihren Antrag hin eingemeindet. Es handelte sich um die Bewohner der Ortschaften Berreit, Bonau, Brunnhof, Edenberg, Gatterstall, Haid, Hart, Harthub, Hochholzen, Zweck.

 

Besondere Verdienste erwarb sich Pf. Mittermaier beim Bau der Tauernbahn. Als der Plan der Anschlussstrecke von Mühldorf nach Freilassing ( Salzburg) auftauchte, war er unermüdlich als Schriftführer verschiedener „Eisenbahncomites“ ( Interessengemeinschaften ) bemüht, dass der Bau verwirklicht wurde und es ist sein Verdienst , dass die Bahntrasse über Kirchweidach geführt wurde. Dass er die Strecke mit seinem „Haklsteckn“ ausgemessen habe, wie behauptet wurde, hat er selbst verneint. Vom Verkehrsminister wurde Pfarrer Mittermaier als „Vater der Tauernbahn“ bezeichnet. Am 30. Nov.1908 fand die offizielle Probefahrt auf der neuen Eisenbahnstrecke statt, ab 1. Dezember wurde der fahrplanmäßige Verkehr aufgenommen.

 

Der Bahnbau wirkte sich entscheidend für die Weiterentwicklung unseres Ortes aus.

 

Es entstanden die neuen Siedlungskerne am Bahnhof und in Oberleiten, wobei sich in der Folgezeit vor allem im Bahnhofsviertel im Gegensatz zu den ländlichen Siedlungsteilen vermehrt gewerbliche Betriebe ansiedelten. Die Einwohnerzahl Kirchweidachs stieg an und betrug 1925 bereits 831.

 

Neben dem Bahnbau war insbesondere auch die günstige Lage unseres Ortes an der ehemaligen Distriktsstraße ( heute Staatsstraße 2357 ) von Trostberg nach Burghausen bedeutsam. Die räumliche Ausdehnung unseres Ortes erfolgte bis zum 1. Weltkrieg weiter entlang dieser Straße, wobei sich 3 Siedlungskerne bildeten : das Unter- und Oberdorf, die Siedlung am Kreuzbichl und das Bahnhofsviertel.

 

Auch in den ersten Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg dehnte sich unser Ort vor allem weiter entlang der Durchgangsstraße aus und das führte dazu, dass die Lücken zwischen den Siedlungskernen kleiner wurden. Kirchweidach wurde ein typisches Straßendorf mit ca. 1, 5 km Länge. 

 

Wichtige politische Entscheidungen für unseren Ort fielen im Zuge der Gebietsreform in den 70er Jahren.

 

In der Sitzung des Planungsausschusses der Region 18 am 2. August 1977 in Rosenheim wurde Kirchweidach als Kleinzentrum eingestuft.

 

Am 1. Januar 1978 erfolgte die Eingemeindung der Ortsteile Aderleiten, Berg, Biburg, Brandhub, Feller, Grub, Hütting, Kielhub, Mitterwinkl, Neukirchen, Niederhofen, Oberwinkl, Reisachberg, Schachen, Wagenhofen und Wiesen aus der aufgelösten Gemeinde Hirten. Mit den 159 Neubürgern stieg die Einwohnerzahl Kirchweidachs auf 1272 an.

 

Seit 1. Mai 1978 ist unser Ort der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Kirchweidach bestehend aus den selbstständigen Gemeinden Kirchweidach , Feichten a. d. Alz , Halsbach und Tyrlaching. Das neue Verwaltungsgebäude ,das an Stelle der beiden 1979 abgebrochenen Schulhäuser gebaut wurde, wurde am 28. September 1980 eingeweiht.

 

In schulischer Hinsicht war das Jahr 1973 richtungsweisend. Mit der Rechtsverordnung der Regierung von Oberbayern vom 21. Mai 1973 wurde die bestehende Hauptschule Kirchweidach in eine Grund- und Hauptschule umgewandelt und hieß nun amtlich „Volksschule Kirchweidach, Grund- und Hauptschule“. Die bestehenden Grundschulen Feichten, Halsbach und Tyrlaching wurden aufgelöst und eingegliedert und schließlich am 28. August 1973 der neue Schulverband Kirchweidach gegründet.

 

Nach der Eingemeindung der 16 Ortsteile aus der aufgelösten Gemeinde Hirten 1978 umfasst der Schulsprengel Kirchweidach nun das Gebiet der 4 Mitgliedsgemeinden der Verwaltungs-

 

gemeinschaft Kirchweidach. Die bestehenden und modernisierten Schulhäuser in Feichten, Halsbach und Tyrlaching werden weiter für den Unterricht genutzt.

 

Am 3. Juni 1981 genehmigte die Regierung von Oberbayern das Gemeindewappen. Es ist gespalten von Blau und Silber und zeigt vorne ein nach unten geöffnetes goldenes Hufeisen, aus dem ein goldenes Kreuz wächst, hinten eine schwarze Weide mit grünen Zweigen.

 

1988 konnte Kirchweidach sein 1200-jähriges Bestehen feiern. Nach dem Festgottesdienst und der Proklamation des Jubiläumsjahres durch den Herold am Verwaltungsgebäude , spielte die Musikkapelle Kirchweidach die Jubiläumsfanfare und den Jubiläumsmarsch.

 

Die zahlreichen Festveranstaltungen während des Jahres fanden in der Festwoche vom 23. Juni bis 3. Juli ihren Höhepunkt . Ein besonderes Ereignis im Jubiläumsjahr war die Einweihung des umgebauten und erweiterten Schulhauses am 8.Juli , bei der auch der gemeindliche Schutzraum und das vom FC Kirchweidach erbaute Sportheim den kirchlichen Segen erhielten. Am Sonntag, den 6. November erfreuten sich mehrere tausend Besucher aus der näheren und weiteren Umgebung an dem besonders prächtig gestalteten 257.Leonhardiritt mit Pferdesegnung durch Domkapitular Hermann Herzig. An der Veranstaltung nahm wegen des besonderen Anlasses auch die „Herzogstadt Burghausen“ mit Herzogspaar und Vizedom teil. 

 

Nach der Aufstellung des 1. Bebauungsplanes -„ Kirchweidach Ort“ - im März 1965 nahm unser Ort in den folgenden Jahrzehnten bis heute einen kaum für möglich gehaltenen Aufschwung. Durch die starke Nachfrage für Bauland sah sich die Gemeinde veranlasst , bis zum Jahre 2002 insgesamt 13 neue Baugebiete im Ortsbereich und im Jahre 1997 zudem im Außenbereich das Gewerbegebiet Erdlehen/ Oberaign mit einer Fläche von 48 993 Quadrat- metern auszuweisen.

 

Die rege Bautätigkeit auf dem Sektor des Wohnungsbaues hat dazu geführt, dass die ursprünglichen Siedlungskerne entlang der Durchgangsstraße zusammenwuchsen, aber sich unser Ort durch die neuen Siedlungsteile auch mehr und mehr in die Tiefe ausdehnte . Dass dies in erster Linie südlich der Durchgangsstraße erfolgt ,ist eine Folge des Flächennutzungs planes, der seit 1986 rechtskräftig ist.

 

Bedingt durch den Bauboom im Ortsbereich ist die Einwohnerzahl, die 1970 noch 1070 betrug, in den zurückliegenden Jahrzehnten stetig angestiegen und beträgt nun 2347 (Stand

 

Juni 2002 ) . .

Für die vielen Neubürger , die sich für einen Wohnsitz bzw. für den Bau eines Eigenheimes in Kirchweidach entschieden haben , war sicher neben der schönen Landschaft ,der zentralen Lage unseres Ortes im südlichen Landkreisgebiet auch die Infrastruktur ausschlaggebend, die sich seit der Ausweisung als Kleinzentrum im Jahre 1977 noch verbessert hat Die Verkehrsanbindungen zu wichtigen Arbeitsstätten außerhalb des Gemeindegebietes in Burghausen, Gendorf, Traunreut , Traunstein , Trostberg und anderen umliegenden Orten sind gut. 

 

Zu einer deutlichen Verschönerung des Ortsbildes haben die baulichen Maßnahmen im Unterdorf im Rahmen des Städtebauförderungsprogramms in den Jahren 2000 bis 2002 beigetragen. Die Breite der Hauptstraße wurde etwas verringert , die Bürgersteige und die angrenzenden Flächen und der ganze Kirchenvorplatz mit Verbundpflaster ausgelegt. Am Kirchenvorplatz wurde zudem ein als Brunnen gestalteter Nagelfluhblock aufgestellt. Auch die mit Rosen bepflanzten Rabatten , die Bäume und die neuen Straßenlampen entlang der Hauptstraße haben das Ortsbild günstig verändert.

 

Der Ortsweiher wurde nicht nur erweitert , sondern das Gelände um ihn herum neu angelegt. Durch die Neugestaltung ist der Ortsweiher zu einem Mittelpunkt im Leben der Dorfbewohner geworden. Am 30.August 2002 fand bereits das erste „Weiherfest“ statt.

 

Mit in das Städtebauförderungsprogramm aufgenommen war das 1911 erbaute Kooperatorhaus, das ursprünglich als Wohnung für die in Kirchweidach tätigen Kooperatoren diente.

 

Es wurde in einer beispielhaften Zusammenarbeit von Gemeinde , Pfarrei und den örtlichen Vereinen und Verbänden und unter Mithilfe von nahezu 100 Kirchweidacher Bürgerinnen und Bürgern saniert, umgebaut und erweitert. Die Einweihung erfolgte am 4. Dezember 1998 und seitdem ist das Kooperatorhaus , den Namen hat man beibehalten , ein viel genutztes Pfarr- und Gemeindezentrum.

 

Im Jahr 2003 sollen nun in einem III. Bauabschnitt der Dorfplatz neu gestaltet und ein zentraler Busparkplatz beim Feuerwehrhaus angelegt werden.

 

Weit über seine Grenzen hinaus bekannt ist Kirchweidach durch seinen Leonhardiritt. Die Verehrung des hl. Leonhard hat in Kirchweidach eine lange Tradition. Der Leonhardiritt wurde der Überlieferung nach im Jahre 1714 gegründet, als Viehseuchen , Pest und Hungersnot in Kirchweidach und Umgebung herrschten. Er findet jedes Jahr am ersten Sonntag nach Allerheiligen statt und ist für die Einheimischen und die vielen Besucher aus nah und fern immer ein ganz besonderes Erlebnis.

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